Gynäkomastie

Im Sommer, in Schwimmbädern oder unter dünnen T-Shirts lassen sie sich besonders deutlich erkennen: männliche Brüste, Fettvergößerungen der Brust, oftmals "schwabbelnd" und so ziemlich genau das Gegenteil dessen, was man sich unter einem männlich-athletischen Körper vorstellt. Es ist von daher keine Frage, daß die davon Betroffenen eine korrigierende Schönheitsoperation ernsthaft in Erwägung ziehen bzw. in vielen Fällen bereits hinter sich haben. Doch sind von diesem, in der Medizin als "Gynäkomastie" bezeichneten Phänomen, nicht nur untrainierte Büroangestellte betroffen. Als nach der Wende die Aufarbeitung des früheren DDR-Leistungssports begann, kursierten plötzlich grotesk anmutende Fotos durch die Medien: ehemalige Spitzensportler, zumeist aus den Kraftsportarten, mit eindeutigen Fettbrüsten, deren Entstehung sie - bewußt oder unbewußt verabreichten - anabolen Steroiden als leistungssteigernden (Doping-)Substanzen zuschrieben. Auf ehemalige Trainer, Ärzte und Verantwortliche des DDR-Sports rollte eine gerichtliche Prozesslawine mit unterschiedlichen Urteilen zu. Doch hat das Thema bis heute weder im Spitzensport noch beim Durchschnittsbürger an Aktualität verloren.

Was versteht man unter Gynäkomastie?

Unter Gynäkomastie versteht man zunächst eine abnorme Vergrößerung der männlichen Brustdrüse, die gewöhnlich im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt auftritt, und in eine "echte" und eine "falsche" eingeteilt wird. Die "echte", hormonabhängige Gynäkomastie ist eine zumeist beidseitige Vergrößerung des Brustdrüsenkörpers, hervorgerufen vor allem durch (innere) Erkrankungen, Medikamente (Hormontabletten bzw. -injektionen) oder - recht häufig, aber reversibel - die Pubertät (bei jungen Männern können die Brustdrüsen sogar Milch absondern). Die "falsche", Pseudogynäkomastie ist entweder einseitig und durch regionale Tumore oder eine Geschwulst verursacht (dann z.B. Symptom für bösartige Hodengeschwülste), oder aber als "Fettbrust" eine meist symetrische Fettverteilungsstörung des Fettgewebes bei Fettsucht.

Doch nicht nur eine Östrogentherapie - beispielsweise bei Prostatakrebs - kann eine "echte" Gynäkomastie hervorrufen, sondern paradoxerweise auch die Gabe von zusätzlichem Testosteron (wie bei den erwähnten Leistungssportlern, aber auch als "anti-aging" Programm bei älteren Männern ebi Hautalterung). Durch den - je nach Präparat unterschiedlich starken - Aromatisierungs- bzw. Umwandlungsprozess von Testosteron in Östrogen, kommt es zunächst zu einer schmerzhaften Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen, dann zu einer Knotenbildung und schließlich zu einer Fett- und Wassereinlagerung unter den Brustwarzen. Bilden sich nach Absetzen der Präparate diese Prozesse nicht genügend zurück und schaffen auch Östrogenblocker keine Abhilfe, dann bleibt als einzige Lösung eine Entfernung mittels plastischer Chirurgie, bei der das überschüssige Brustdrüsengewebe mit dem Knoten entfernt wird - eine "Schönheitsoperation".

 

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